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Inhalt: Kurzgeschichten

Die Treppe

Eine breite Steintreppe führt hoch auf einen mit Bäumen bewachsenen Hügel

Foto: Georg Greven

Die Treppe führt vom Ursprung des Lebens hinauf in das Reich der Sterne.
Sie ist lang und steil und manche Stufen sind mit Schmutz befleckt.
Ihre Stufen sind abgewetzt, doch je höher man steigt, umso glatter und reiner werden sie.
Heute ist ein Sonnentag und am Fuß der Treppe herrscht ein reges Treiben.
Groß und Klein, Alt und Jung, Schön und Häßlich, Intelligent und Dumm, alle haben sie sich auf den Weg gemacht.
Doch keiner bemerkt die Treppe.
Doch plötzlich erscheint ein junges Paar, entdeckt die Treppe, nähert sich vorsichtig, zögert noch, doch dann steigen sie hinauf, Stufe für Stufe und lassen sich in der oberen Hälfte der Treppe nieder.
Fasziniert beobachten sie lange das Geschehen.
Doch schon bald gilt ihre ganze Aufmerksamkeit ihnen selbst, die eng beieinander sitzen, sich noch näher kommen, sich berühren, betasten, umschlingen und sich selbst zärtlich entdecken.
Die Zeit verstreicht wie im Flug, doch sie ist nicht vertan, denn beiden wird bewusst, DAS ist Leben.
Doch plötzlich entdecken auch Andere die Treppe: Jemand, verdrießlich, nur noch ein Schatten seiner selbst, steigt beklommen die Treppe hinauf; die beiden schauen sich an und wissen, diese wird nicht leuchten, sondern zu Sternenstaub zerfallen.
Paare erklimmen die Treppe, freundlich, ein Lächeln im Gesicht, als ob sie sagen wollten, geht ruhig weiter hinauf, weil sie wissen, wie es dort ist.
Andere gehen erstaunlicherweise die Treppe auch herunter.
Hat es ihnen oben nicht gefallen?
Sind sie vertrieben worden? Zieht es sie wieder hin zu diesem bunten Treiben?
Für die beiden wird es Zeit heimzukehren, doch sie sind glücklich etwas Bedeutendes entdeckt zu haben und halten sich fest, wie im gegenseitigen Versprechen beim nächsten Mal die Treppe noch höher hinauf zusteigen.

Soweit nicht anders angegeben liegen die Urheberrechte der Fotos, der Texte und der Musik dieser Seite bei Michael Greven
Michael Greven / Gedankenträume.de / 2002-2020