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Inhalt: Kurzgeschichten

Bob, der Schneckenmann

Bob war eine ausgewachsene Riesenschnecke und lebte in einem sehr großen Wald mit mächtigen Bäumen, die wie es ihm schien, bis in den Himmel ragten.

Bob war nicht nur sehr schwer, sondern trug auch ein riesiges Haus auf seinem Rücken.
Er hatte so schwer zu tragen, fühlte sich unwohl mit diesem Gewicht und beklagte sich bei seinen Kameraden, dass er so viel zu langsam sei und nicht vorwärts kam.
Er beneidete die vierfüßigen Waldtiere, die unglaublich schnell an ihm vorüber liefen.
Ein Freund riet ihm, sich doch mal an den Schneckengott zu wenden und um Hilfe zu bitten.
So fragte er den Gott der Schnecken, ob er nicht auch ein Vierfüßler werden könne.
Der Schneckengott bestätigte dies und bat nur um Angabe der gewünschten Art.
Bob war überrascht, aber auch sehr erfreut, dass der Schneckengott seinem Wunsche entsprechen würde und gab an gerne ein Fuchs zu werden.
Kaum sprach er diese Worte aus, fand er sich auch schon auf vier Beinen wieder.
Erfreut lief er durch den Wald und staunte über seine Geschwindigkeit.
Ein neues Bewusstsein durchflutete ihn.
Er war jetzt sehr schlau und genoss das dadurch entstandene hohe Ansehen bei den anderen Tieren, die ihn alle um Rat fragten.
Doch bevor der Tag zur Neige ging, hatte er schon im Gehöft, das nahe dem Wald lag, eine Gans gerissen.
Das gefiel ihm, er war schnell, schlau und mächtig.
Doch nach einigen Tagen ließen sich die Bauern das Verhalten des Fuchses nicht mehr gefallen und jagten ihn quer durch den Wald.
Bob, dem Fuchs wurde es Angst und bange und nach einem ganzen Tag des gejagt werden, hatten sie ihn auf einer kleinen Lichtung gestellt.
Völlig erschöpft, verzweifelt und mit hängendem Kopf schaute er in die Runde.
Die Jagdhunde fletschten schon die Zähne und bellten laut und drohend.
Gleich würden die Jäger sie auf ihn loslassen.
Da flehte er seinen Fuchsgott an, ob er ihn nicht befreien und zu einem Vogel werden könne, damit er den Jägern und Hunden davonfliegen könne.

Kaum hatte er seinen Wunsch ausgesprochen, fand er sich als Vogel wieder, zögerte nicht lange, breitete seine Flügel aus und flog davon.
Er war glücklich, nicht nur darüber, dass er den Jägern entkommen war, sondern auch über sein neues Dasein.
Er schwang sich hoch empor bis in die Wipfel der höchsten Bäume.
Er genoss seine Freiheit sehr, denn er konnte hinfliegen wohin er wollte und kannte keine Grenzen mehr.
Auch hatte er die Gabe wunderschöne Lieder trällern zu können und bald hatte er im Tierreich eine große Anzahl von Zuhörern, die ihn bewunderten.
Das genoss er sehr, doch wenn sein Konzert endete, verschwanden alle anderen Tiere wieder, niemand blieb, er fühlte sich sehr einsam.
Eines Tages entdeckte er hoch in einem Baumwipfel eine Vogelfrau, die in einem halb zerfallenem Nest hockte.
Sie konnte nicht mehr fliegen, da bei einem Zusammenprall mit einem Baumstamm ihr linker Flügel brach und nicht mehr heilte.
Sie freundeten sich an und er reparierte ihr Nest und teilte Zeit und Nahrung mit ihr.
Seine Gesellschaft tat ihr gut und bald spazierten sie gemeinsam lachend über die Äste des hohen Baumes, wobei sie gar keine Angst vor dem tiefen Abgrund hatte, der sich unter ihnen auftat.
Eines späten Nachmittags, als sie gerade wieder einen Ast entlang spazierten, stürzte sichein Bussard auf die Beiden.
Bob wurde klar, dass sie keine Chance hatten.
Sie konnte nicht wegfliegen und er konnte es nicht mit einem Raubvogel aufnehmen.
Er befragte den Vogelgott, ob er sie nicht beide verwandeln könnte.
Dieser antwortete, dass nur er verwandelt werden könne.
Wolle er überleben, müsse er jetzt eine Entscheidung treffen.
Da kam Bob eine Idee. Er spreizte seine Flügel, hob ab, tat aber so, als ob sein rechter Flügel verletzt sei.
Sein Flug sah so aus, als ob er gleich abstürzen würde.
Damit lenkte er die Aufmerksamkeit des Raubvogels auf sich, der dachte ein vermeintlich leichtes Opfer gefunden zu haben.
Während er hinter dem in die Tiefe stürzenden Bob herjagte, brachte sich die Vogelfrau schnell im dichten Laub des Baumes in Sicherheit.
Bob konnte schon die Krallen des Verfolgers an seinem Gefieder fühlen, doch kurz bevor er auf dem Boden aufschlug, lies er sich in einen Löwen verwandeln.
Er schwenkte seinen Kopf nach oben und brüllte aus Leibeskräften.
Der Bussard wusste nicht wie ihm geschah und suchte schnell das Weite.

Bob war froh, dass er sich und die Vogelfrau hatte retten können.
Trotzdem trauerte er um seine Freundin, denn er würde sie nie mehr wieder sehen können, da er sich nur einmal in ein bestimmtes Tier verwandeln konnte und sie ihren Baum nicht verlassen konnte.
Missgelaunt streifte er durch den Wald,wobei er durch sein Knurren einige andere Tiere sehr erschreckte.
Was sollte er jetzt anfangen,denn er wusste, dass er als Löwe früher oder später andere Tiere würde reißen müssen.
Er wollte aber niemand anderes verletzen, da er ein friedfertiges Wesen hatte.
Als er so durch den Wald streifte, kreuzte plötzlich ein Hase seinen Weg.
Dieser erstarrte bei seinem Anblick vor Angst und bat ihn ihm nichts zu tun, da er ja auch viel zu klein für seinen Hunger sei.
Bob fand den Hasen süß, beruhigte ihn erstmal und teilte ihm mit, dass er nur auf der Suche sei.
Der Hase war erleichtert und sagte Bob, dass er Suchenden immer riet die große Lichtung in der Mitte des Waldes aufzusuchen.
Bob war erfreut über seinen Rat, verabschiedete sich höflich und machte sich auf den Weg.
Plötzlich nahm er einen bisher ungekannten Geruch war, dann hörte er auch Stimmen.
Ihm wurde mulmig, was ihn denn erwarten würde, doch die Neugier siegte. Vorsichtig streckte er seinen Kopf durch das Gebüsch und schaute in das Rund. Da erblickte er ein Menschenpaar, das auf der Lichtung picknickte.
Er bemerkte die ausdrucksstarken, fröhlichen Augen, das Gelächter der Beiden, die ausgelassene Stimmung und schließlich wurde er Zeuge wie sie sich küssten und liebten.
Da sprach er zu seinem Löwengott, ob er nicht auch ein Mensch sein könne.
Doch der Gott schüttelte verneinend den Kopf.
Er sei zwar Gott der Tiere, könne aber nicht ein Tier in einen Menschen verzaubern, sondern nur Tier zu Tier.
Seinem Wunsche könne er leider nicht entsprechen, dazu fehle ihm die Macht.

Bob war bitterlich enttäuscht, hatte er doch herausgefunden, was er wirklich sein wollte. Als er noch überlegte, was er jetzt tun sollte, hörte er wie sich die Stimmung auf der Lichtung änderte. Er schaute noch mal hin und bemerkte, dass sich die beiden Menschen stritten, dann sogar schlugen und sich gegenseitig mit dem Inhalt des Picknickkorbs bewarfen. Das gab ihm doch stark zu denken und Bob beschloss, sich wieder in eine Schnecke verwandeln zu lassen, da kannte er sich aus. Seine Freunde begrüßten ihn fröhlich und baten darum unbedingt über seine Erfahrungen zu berichten. Bob der Schneckenmann lächelte und sagte, dass sie als Schnecken das schönste und ruhigste Leben führen würden.

Hörbuch zu dieser Geschichte

Zu dieser Geschichte gibt es auch ein Hörbuch von mir.

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Michael Greven / Gedankenträume.de / 2002-2020